Pretty Cakes: Mit Frauenpower zum Hochzeitstraum

 


Neuenkirchen-Vörden. Eiffelturm, Kutsche, Kugel oder ganz klassisch: Die Auswahl an Torten, die Eugenia Belke und ihre Mitarbeiterinnen im Programm haben, ist fast grenzenlos.

Noch herrscht Hochzeitstorten-Hochsaison bei Pretty Cakes in Neuenkirchen-Vörden. Die Aufträge werden mit Frauenpower gemeistert – Männer gibt es in der Konditorei nicht.

Und das soll auch so bleiben, obwohl Eugenia Belke ihre Firma räumlich erweitert: Die Produktionsfläche wird um 50 Quadratmeter vergrößert, ein Ausstellungsraum eingerichtet. Auch die Zahl der Mitarbeiterinnen möchte Belke von derweil fünf auf acht im kommenden Jahr erhöhen. Dass sie an ihrem Frauen-Team festhalten will, hat nicht nur praktische Gründe wie zusätzliche Männer-Umkleiden und -Toiletten, die sie dann einbauen müsste. Die 41-jährige Konditormeisterin befürchtet auch, dass es zu Konflikten kommen könnte, weil die Chefin nun mal weiblich ist. Doch nur wenn im Team die Chemie stimme, könne es sein ganzes Potenzial ausschöpfen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Auch das Privatleben ihrer Angestellten soll zwischen Tortenfüllungen und Pralinen nicht auf der Strecke bleiben: Weil Belke selbst vier Kinder hat, achtet sie darauf, dass ihre Mitarbeiterinnen Beruf und Familie miteinander vereinbaren können. „Ich lege viel Wert darauf, dass sie flexibel sein und ihre Zeit passend zur Familie einteilen können. Beruf und Privatleben sollen funktionieren.“ Deshalb gibt sie auch einer Frau, die früh schwanger wurde, die Chance, nach 20 Jahren als Hausfrau erstmals ihr eigenes Geld zu verdienen. Belkes Geheimnis: gute Organisation. Die ist auch wichtig, um die zahlreichen Aufträge rechtzeitig fertigstellen zu können. Nachdem sich Pretty Cakes in den ersten Jahren nach Firmengründung 2010 auf dem Markt behaupten musste, ist die Nachfrage inzwischen gewaltig. „Wir können uns dieses Jahr vor Aufträgen kaum retten“, sagt Belke. Sie arbeite nur auf Bestellung und müsse im Moment sogar Anfragen ablehnen. „Die Qualität steht bei uns an erster Stelle. Da nehme ich lieber einen Auftrag weniger an, um den Standard hoch zu halten.“ 60 Prozent der Aufträge kämen durch Weiterempfehlung zustande.

Hochzeitstorten-Saison von April bis Oktober

Gerade bei Hochzeitstorten muss alles stimmen.„Eine Hochzeit plant man sehr lange. Da ist die Enttäuschung umso größer, wenn etwas nicht so wird, wie man es sich vorstellt“, sagt Belke. Während der Hochphase für diese Torten von April bis Ende Oktober werden bei Pretty Cakes bis zu 15 Stück pro Woche hergestellt – je nachdem, wie groß sie sind. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen rund 350 solcher Kunstwerke ausgeliefert.

Dabei sind die Torten so individuell wie das Brautpaar. Erst vor Kurzem hat Belke ihre bislang größte fertiggestellt: Ein nachgebautes Theater, das 80 Zentimeter hoch, 1,5 Meter breit und zwei Meter lang geworden ist. Im Grünstreifen rund um das Haus wachsen Palmen, Frauen und Männer in hübschen Kleidern stehen auf dem Balkon. „Da habe ich fast zwei Wochen dran gearbeitet. Die Torte wurde in mehreren Teilen transportiert und vor Ort zusammengebaut“, erklärt Belke. Sie wurde aus Frankfurt bestellt. Zwar stammten die meisten Kunden aus einem Umkreis von 100 Kilometern, häufig liefere Pretty Cakes aber auch im Radius von 300 Kilometern. Auch aus Stuttgart und Leipzig habe es bereits Bestellungen gegeben.

Ausgefallenes und Herausforderungen

Ausgefallenes und Herausforderungen wie diese spezielle Torte, das ist Belkes Ding: „Ich liebe es, so was zu machen. Wenn ich zweimal genau die gleiche Torte herstellen sollte, würde mir das nicht so viel Spaß machen.“ Deshalb ist jede ihrer Kreationen anders. Gerade bei Geburtstagstorten könnten sich ihre Mitarbeiter kreativ ausleben – „der Traum von jedem Konditor.“Kreativität erfordert Freiraum, die Herstellung der Torten straffe Organisation. Die meisten Bestellungen müssen am Wochenende ausgeliefert werden. Anfang der Woche fertigen die Mitarbeiterinnen von Pretty Cakes deshalb die Dekoration für die Torten, etwa Blumen und Bänder aus Zucker. Mittwochs werden Ständer aufgestellt und wird Creme gekocht, damit am Tag darauf der Teig gemacht und die Torten eingesetzt werden können. Freitags folgt der Feinschliff: die Dekoration.

Neben Hochzeitstorten stellt Pretty Cakes auch normale Torten, „Cakepops“, Kleingebäck oder individuelle Pralinen her. Letztere bestellen viele Firmen gerade zur Weihnachtszeit – versehen mit ihrem Logo als Geschenk für die Kunden.

„Bei uns gibt es nicht das, was es in einer normalen Konditorei gibt“, sagt Belke. Weil sich Pretty Cakes auf Sonderaufträge spezialisiert hat, könnten sie die Produkte oft zu einem besseren Preis anbieten. Ganz gleich, was bestellt wird: Alles wird nicht nur hübsch dekoriert, sondern auch verpackt, damit das Gesamtbild stimmt. Pretty, eben.

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